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Eva Riediker-Liechti (Universität Zürich), Wirtschaft und Handel auf dem Monte Iato (Sizilien) in römischer Zeit - das Beispiel der Garküche

Von 1992 bis 2007 wurde durch das Institut für Archäologie der Universität Zürich auf dem Monte Iato in Sizilien ein aus zwei Räumen bestehendes Gebäude aus römischer Zeit freigelegt, das mit einer mächtigen Zerstörungsschicht gefüllt war. Der Einsturz des Baus ist wohl mit einem Erdbeben in der frühen Kaiserzeit zu verbinden, dessen Auswirkung sich in mehreren Bereichen der antiken Stadt nachweisen lässt. Zahlreich aufgefundene Fragmente von Tafelgeschirr und Gebrauchskeramik, ein gemauerter Schanktisch, diverse Knochenfunde sowie ein Ofen führen zur Deutung des Gebäudes als Garküche.
In Pompeji existierten über 100 Beispiele solcher Gastronomiebetriebe, während in Sizilien erst vereinzelte Garküchen identifiziert und publiziert wurden. Mit dem Lokal auf dem Monte Iato wird nun erstmals für das römische Sizilien eine Garküche im Detail vorgestellt.
Anhand dieses Beispiels werden verschiedene ökonomische Fragestellungen untersucht. So soll die Ausstattung der Garküche, aber auch ein mögliches Angebot an Speisen und Getränken zur Sprache kommen. Ein Vergleich mit Garküchen in Pompeji erlaubt es, allfällige Besonderheiten des Ietiner Lokals aufzuzeigen, während die Analyse bestimmter Fundkategorien Hinweise auf Handelsverbindungen der Stadt liefern kann. Des Weiteren erhalten wir durch die Untersuchung der Funde und Befunde Einblicke in den Alltag der Gäste (hauptsächlich Angehörige der Unterschicht). Schließlich wird die Bedeutung der Garküche im städtischen Kontext diskutiert.